Langsam aber sicher

So kann’s natürlich auch gehen. Da bin ich gerade mal knapp zwei Tage in Quito und liege auf einmal weiß wie eine Wand zitternd in der Notaufnahme. Und dabei hat die Woche so gut angefangen.

Ich hätte es aber auch echt nicht ahnen können. Noch am Vortag war ich wie im letzten Post angekündigt in der Altstadt unterwegs und habe schon mal angefangen, mein neues Zuhause zu erkundigen. Ich muss an der Stelle echt sagen wie froh ich bin, mir diese Stadt als meinen Start ausgesucht zu haben. Es scheint nicht nur praktisch ununterbrochen die knallende Sonne mit gefühlten 25°C, die Landschaft Quito’s ist an manchen Stellen auch echt beeindruckend.

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Das hier an der Seite ist beispielsweise ein Foto vom ersten Tag. Hinten auf dem ehemaligen Vulkan seht ihr die sogenannte “El Panecillo”, eine 40 Meter hohe Statue errichtet in 1976, ca. 45 min zu Fuß von mir entfernt. Am Ende hänge ich noch ein paar mehr Bilder dran, aber jetzt erstmal die Geschichte, was letzte Woche vor dem Unglück überhaupt genau passiert ist.

Eigentlich hat der Tag ganz gut begonnen. Meine Reiseleiterin Patricia hat sich am Freitag morgen, dem 06.10. mit mir getroffen, um mir ihre Spanischschule zu zeigen, die ich wie erwähnt während meines Aufenthaltes den ersten Monat täglich besuchen werde. Sie betreibt sie zusammen mit ihrem Ehemann Hokan schon seit 2005 primär für Reisende wie mich. Für mich ist sie auch echt gemütlich erreichbar, zu Fuß bin ich morgens nur fünf Minuten unterwegs. Dort angekommen gab’s erstmal eine kleine Einweisung mit Belehrung was beispielsweise zu tun ist, falls es mir mal aus irgendwelchen Gründen nicht so gut gehen sollte.. als könnte schon groß was passieren (hehe). Und tatsächlich fing es da schon etwas an, in der Bauchgegend zu ziehen. Wird schon nichts weiter sein, dachte ich. Bestimmt nur eine Unstimmigkeit wegen der neuen Essgewohnheiten.

Wieder zurück in der Wohnung wurde es dann aber richtig schön. Nachdem sich Patricia verabschiedete, fingen meine Hände und Gesicht auf einmal an zu kribbeln, fast so wie damals schon einmal in Chile. Damals war es ähnlich spaßig mit einem anaphylaktischen Schock, doch Erdnüsse habe ich dieses mal ausnahmsweise keine genossen.

Der Knoten im Bauch fühlte sich kurz darauf so an, als würde sich mir ein Messer in den Körper bohren, woraufhin ich Patricia direkt wieder zurückrief. Sie wohnt ein Glück nur einige Straßen weiter. Wir machten uns sofort auf dem Weg ins erste Krankenhaus. Wieso das erste? Es hatte nämlich schlauerweise keine Notaufnahme und ich durfte mich schön auf die Wartebank setzen neben 10 anderen Gästen und darauf warten, bis ich an der Reihe war. Anscheinend sehen Ecuadorianer nicht alle Tage Europäer oder wie hier auch genannt “Gringos”, und schon gar nicht welche, die wie kurz vorm Umfallen aussehen. Inzwischen starrte mich nämlich gefühlt jeder an, für die zwanzig Minuten, in denen sich im Wartezimmer sonst überhaupt nichts tat.

Es hatte alles keinen Zweck. Ab ins nächste Taxi gehievt ging es auf die Suche nach einem anderen Krankenhaus. Dies mal ging’s ins Metropolitano, zu meinem Glück das Beste in ganz Quito. Das hat man auch sofort gemerkt. Anstatt sich wie im letzten erstmal einen Bart wachsen zu lassen, wurde ich hier sofort auf einer Liege platziert und am Morphium angeschlossen.

20171009_103632Nach kurzer Zeit gab es dann auch schon die ersten Einschätzung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte ich mir dem Blinddarm entzündet. Es war zu dem Zeitpunkt aber noch zu früh, um sich sicher zu sein. Deshalb durfte ich 9 Stunden lang im Dauerrausch erstmal auf meinen X-Ray warten, der die Befürchtung dann leider bestätigte.

Da lag ich dann also um 10 Uhr abends, als ihr gerade alle schon längst am schlafen wart (außer Leo, danke für die ermutigenden Worte an dieser Stelle 🙂 ) und erfuhr, dass ich in 30 Minuten unters Messer komme. So habe ich mir den Start meiner Reise auf jeden Fall erhofft. Wie gesagt war ich im Metropolitano aber in guten Händen und dank der modernen Technologie vor Ort war zwei Stunden und 3 winzige Einschnitte später schon alles problemlos erledigt.

Die nächsten zwei Tage musste ich dann noch zur Sicherheit im Krankenhaus verbringen, hier ein Foto meiner leckeren Gerichte morgens, Mittags und Abends. Es gab sogar jeweils unterschiedlichen Wackelpudding… mmh

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Ansonsten war es aber alles halb so wild. Die Ärzte und Krankenschwestern waren wie fast jeder hier alle sehr nett und hilfsbereit und konnten zum Großteil sogar Englisch, was hier ziemlich selten ist. Die ersten 24 Stunden verbrachte Patricia netterweise auch hier mit mir, hätte es doch Schwierigkeiten mit der Verständigung geben sollen.

20171018_185837Der Ausblick von meinem Fester war auch nicht so schlecht.

Am Montag nach der Operation wurde ich dann auch endlich wieder entlassen. Die ersten Tage lief noch nicht alles so rund, alleine aus dem Bett aufzustehen war schon nicht das Angenehmste. Damit alles etwas schneller verheilen kann, durfte ich mich die erste Woche nur kaum bewegen. Meine extrem nette Spanischlehrerin Liliana kam in der Zeit sogar zu mir, damit ich so wenig wie möglich verpasse. Ich mache schnellen Fortschritt bei ihr und am Ende meiner Zeit hier in Quito beherrsche ich die Sprache sicherlich gut genug, um erfolgreicg in mein darauffolgendes Journalismus-Praktikum starten zu können.

Inzwischen geht es mir auch wieder ziemlich gut, seit einigen Tagen bin ich auch wieder mindestens 2-3 Stunden unterwegs. Viel außer die Stadt zu erkunden, kann ich gerade allerdings noch nicht machen. Auf Sport und vieles andere muss ich leider gerade komplett verzichten, was mich an der ganzen Geschichte eigentlich am meisten nervt. Der Arzt meinte, ich soll 30 Tage warten, bevor irgendwas außer gehen drin ist. Ich denke aber mal, dass ich in ein paar Tagen wieder langsam anfange, als würde mich so ein winziger Blinddarm so lange lahmlegen. Vor allem, wenn hier jeden Tag so tolles Wetter ist.

Tut mir Leid, dass ich so lange auf ein Update hab warten lassen, aber ich hatte bis jetzt nicht wirklich die Kraft dazu. Ich bin wie gesagt gerade auf dem besten Erholweg, weshalb es auch sehr bald wieder was neues zu berichten geben wird.

Hier jetzt noch ein paar Bilder wie versprochen. Danke für alle netten Nachrichten von euch! Viele Grüße aus Südamerika und bis zum nächsten Eintrag!

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Die besten Fotos vom ersten Tag

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